„Wo. jemand. alle. anders.“

Unter diesem Titel fand in diesem Jahr der Jugendsonntag statt. Dabei rückte das Anderssein jedes einzelnen Menschen in den Fokus. Dieses Anderssein ist kein Fehler, sondern Ausdruck der Einzigartigkeit jedes Menschen. Jeder Einzelne ist wertvoll – unabhängig davon, ob er dem aktuellen Trend entspricht oder dem Ideal einer vermeintlichen Mehrheit.

Gerade in Zeiten, in denen die Zukunft nicht einfach in einem „Weiter so“ liegen kann, ist diese Aussage herausfordernd. Wenn die bisherigen Lösungen auf die aktuellen Fragen nicht mehr passen, wird deutlich: Es muss anders weitergehen. Das Andere kann uns jedoch Angst machen, wegen seiner Fremdheit und Ungewissheit. Wenn Menschen unter den jetzigen Umständen leiden oder an bestehenden Strukturen zerbrechen, dann wird klar: Es muss sich etwas ändern.

Im Anderswerden liegt daher auch eine Chance. Die Chance auf Veränderung und auf Neugestaltung unserer bisherigen Situation. Das Anderswerden ist ambivalent: weder grundsätzlich schlecht noch immer gut, sondern es ist einfach anders.

Diese Uneindeutigkeit zeigt sich besonders in den Fragen der Zukunft der Kirche. Neben bereits beantworteten Fragen, wie etwa, welche Räume wir künftig noch haben, stehen viele neue Fragen offen:

Wie kann Jugendarbeit in Zukunft aussehen ohne eigene Räume?

Wie wird unser Gemeindeleben gestaltet sein?

Welche Strukturen werden wir haben und wird es noch Menschen geben, die sie mit Leben füllen?

Auf all diese Fragen können Antworten wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „Das ist Tradition“ nicht mehr genügen.

In solchen Momenten tröstet mich, dass auch unser Glaube vom Anderssein geprägt ist. Immer wieder kommt es anders, als man erwartet. Gerade zu Weihnachten passt das Motto besonders gut: Denn vieles, was dort geschieht, ist anders.

Das Offensichtliche ist: Es wird anders, weil Gott selbst Mensch wird. Doch auch diese Menschwerdung geschieht anders als erwartet – nicht in einem Palast oder in einer großen Stadt, sondern an einem ganz anderen Ort.

Gott kommt nicht als Herrscher in die Welt, sondern als jemand anders.