In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
Matthäus 11, 25 - 30
«Kommt alle zu mir, die Ihr euch müht und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.»
Dieser Satz Jesu klingt hier tatsächlich wie ein Evangelium: «Ich werde euch Ruhe verschaffen.»
Ein verlockendes Angebot! Da ist einer, der für Ruhe - wörtlich «Erquickung» - sorgen will!
Aber freuen Sie sich jetzt nicht zu früh! Wer nun erwartet, dass uns Jesus ein Rezept liefern würde, wie wir aus dieser dauernden Anspannung herauskommen können, den muss ich enttäuschen! Er nennt nämlich keines! Und er nimmt mir auch keine meiner Aufgaben ab.
Und vielleicht tut er es, weil er genau weiß, dass ich das eigentlich auch gar nicht will.
Vielleicht hat Jesus ganz richtig erkannt, dass es vor allem darum geht, dass sie wieder tragbar werden.
Und dafür nennt Jesus uns tatsächlich ein Rezept: «Blickt auf mich und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig.» Das setzt er dagegen. Das ist seine Antwort auf dieses dauernde Gefühl des bis-zum-geht-nicht-mehr beladen sein. « Lernt von mir, denn ich bin demütig!»
Jesus meint «demütig» in seiner ursprünglichen Bedeutung: den Mut haben, zu diesen, den Mut zu haben, sich für etwas einzusetzen.
In diesem Sinne war Jesus dien-MÜTIG. Er hatte den Mut, einer großen Aufgabe zu dienen.
Wenn ich weiß, warum ich etwas mache, wenn ich spüre, dass etwas sinnvoll ist, und wenn ich etwas dann auch wirklich tun will, dann bin ich zu Großem fähig. Schwierig wird es meist erst dann, wenn ich das im Trubel des Alltages vergesse.
Deshalb sieht manches, was oft so schwer von der Hand geht, schon wieder ganz anders aus, wenn ich es ab und zu mit etwas Abstand betrachte.
Manchmal brauche ich solchen Abstand; Abstand zu den 1001 Sorgen der alltäglichen Tretmühle; Abstand, um zur Ruhe zu kommen, um nachzudenken, um mich wieder einmal darauf zu besinnen, was mir wichtig ist, und warum es mir wichtig ist.
Nicht umsonst legt die Bibel uns den Ruhetag so sehr ans Herz.
Nicht umsonst brauchen wir alle den Urlaub und die Ferien - nicht als eine Zeit für neue touristische Höchstleistungen - sondern vor allem anderen als eine Zeit, die mir von neuem den Unterschied deutlich macht.
Thomas Vogel