Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Eigentlich ist alles gut, und trotzdem spürst du tief in dir diese Sehnsucht nach mehr. Nach mehr Leben, mehr Tiefe, mehr Sinn. Dieser Wunsch kann verunsichern. Schnell meldet sich die Frage: Bin ich undankbar, weil ich mich nach mehr sehne?
Doch Sehnsucht ist kein Zeichen von Mangel. Alles, was lebt, trägt dieses Streben in sich. Ein Samen bricht durch die harte Erde, weil er zum Licht will. Ein junger Vogel breitet zum ersten Mal seine Flügel aus, obwohl er noch nicht weiß, ob die Luft ihn trägt. Ein Bach sucht unermüdlich seinen Weg ins Tal, bis er in den Fluss und schließlich ins Meer mündet. Selbst die Sonne scheint jeden Morgen neu über den Horizont, als wollte sie sagen: Heute noch ein Stück mehr Licht in die Welt bringen.
So ist es auch in dir. Die Sehnsucht nach mehr ist kein Ausdruck von Gier oder Unzufriedenheit. Sie ist der leise Ruf deines inneren Selbst, das wachsen möchte – in Erfahrung, in Liebe, in Bewusstsein.
Du darfst heute dankbar sein für das, was ist – und gleichzeitig offen bleiben für das, was werden will. In dieser Spannung zwischen Dankbarkeit und Sehnsucht liegt das Leben selbst.
Und vielleicht ist genau das der kostbarste Teil deiner Sehnsucht: Sie erinnert dich daran, dass du unterwegs bist. Dass du dich entwickelst. Dass du lebst.
Tobias Lichtenthäler
Jugendreferent